Möchte-gern-Weltstadt mit Provinz-Gehabe!

Anspruch und Wirklichkeit passen in Hamburg nicht zusammen:

Das ist so eine Sache mit dem Thema „Weltstadt“. Eine City, die sich mit diesem Pseudo-Titel schmücken kann, die macht schon was her in der Welt. Die kennt man. Die bietet was. Die steht für Größe, Weite und großes Denken. New York, Paris, London, Tokio oder Sydney sind solche Städte. Und dann wäre da noch Hamburg …

Unsere Elbmetropole, die sich selbst so gern das „Tor zur Welt“ nennt. Aber ist sie das wirklich? Okay, wir haben seit Kurzem endlich die Elbphilharmonie. Im Vorwege gescholten, beschimpft, als größenwahnsinniger Unfug denunziert. Doch jetzt, wo sie da ist, hat sie (fast) jeder lieb. Und sie strahlt weit über Hamburgs Grenzen hinaus. Ein tolles Bauwerk. Deswegen ist Hamburg eine Weltstadt?

Ach ja, richtig, wir haben auch noch ein einzigartiges Planetarium. Eines von der ganz modernen Sorte. Aber eine Nummer moderner wird die neue Sternwarte „Philip and Patrizia Frost Museum of Science“ die im Mai in Miami eröffnet wird. Also – der Trumpf zieht nicht. Wir haben mit der Reeperbahn eine der berühmtesten Rotlichtmeilen weltweit, wir haben die Alster, die Elbe, einen Riesen-Hafen… macht uns das zur Weltstadt?

Wohl kaum! Denn Hamburg hat bei allen Ambitionen (logisch, unser Hamburg ist die Perle Deutschlands. Wenn Germany, dann Hamburg – darin sind wir uns einig) und allen Schönheiten vor allem aber eines: kleinkariertes, provinzielles Denken.

Man erinnere sich nur an die vergebene Chance mit der Olympia-Bewerbung. Das wäre mal ein Schritt Richtung Weltstadt geworden. Das ernüchternde Ergebnis? Ein „Nööö, lieber nicht …“ der Bürger! Vorbei war es mit weltweitem Ruhm, Ansehen und Bekanntheit. Ein Wolkenkratzer für Hamburg in der HafenCity. Kein ödes langes Elend, sondern ein Bauwerk von außergewöhnlicher Architektur, eines mit Strahlkraft in die Welt? Schon flippen die Dauer-Neinsager, die Mutlosen und Provinz-Denker wieder aus. Nein, nein, in Hamburg muss es schön niedrig bleiben. War doch immer so! Die berühmte Hamburg-Silhouette mit seinen Türmen darf nicht gestört werden. Immerhin gibt es mit dem Fernsehturm, den Mundsburg-Hochhäusern und dem Hotel am Dammtor schon drei angeblich „grausige Bausünden“ …

Und als wäre das noch nicht kleinkariert und engstirnig genug, geht es jetzt sogar noch weiter. Der Schlagermove – ein tolles Happening der guten Laune soll aus der Innenstadt verbannt werden. Zu viel Schmutz, zu viel Lärm und damit eine Zumutung für die Anwohner. Lächerlich! Diejenigen, die im Zentrum wohnen, die wussten doch, dass dort kein Naturschutzgebiet mit „Frosch-Quark-Idylle“ zu finden ist. Wer sich danach sehnt, der sollte raus aufs Land. Das steht doch jedem frei. Gleiches gilt für diejenigen, die auf dem Kiez wohnen und
sich über den Lärmpegel beschweren. Sorry, aber wer eine Kellerwohnung mietet und sich dann beschwert, dass er kaum Sonnenlicht abbekommt, für den hätte man doch auch nur Unverständnis übrig, oder? Das Hamburger Harley-Treffen ist das größte Europas. Endlich mal etwas, was in die Welt hinaus röhrt. Einmal im Jahr an drei Tagen. Nein, es soll wegen des Lärms verbannt werden. Unglaublich. Aber Krawall-Demos mit angekündigten Gewaltexzessen beim G20-Gipfel in Hamburg, da, wo die Hansestadt eine ehrwürdige Visitenkarte nach draußen abgeben könnte, die sollen in der City stattfinden. Muss man nicht verstehen, oder was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Weltstadt geht dann doch wirklich anders, liebe Politiker und Amtsträger…

Ihr 

Jens Eichler

Chefredakteur

 

Zitat des Monats:

„Ich liebe diese Stadt mit ihrem zeremoniellen Traditionsstolz, ihrem kaufmännischen Pragmatismus und ihrer zugleich liebenswerten Provinzialität … !“

… so schwärmte einst Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt (†) über seinen geliebten Geburtsort Hamburg

Share this post:

Recent Posts

Comments are closed.