Dosenbier mit Tütenwein und Möhrensaft

Wem soll das politisch schmecken?

Vier Wochen sind etwa seit der Bundestagswahl vergangen. Das waren zugleich vier Wochen voller politischer Wunder, Merkwürdigkeiten und Offenbarungen. Und irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass mehr und mehr nach einem inhaltslosen Wahlkampf die Wahrheit ans Licht kommt.

Wie immer hatte die Wahl nur Gewinner – auch wenn es viele Verlierer gab. Klingt paradox, ist aber so. Die Union ist stärkste Kraft und hat gewonnen – trotz über acht Prozent Verlusten. Und die Sozialdemokraten haben auch gewonnen. Nämlich bei gut fünf Prozent minus die weise Erkenntnis, dass man bei Verlusten dieser Stärke in die Opposition gehört. Die Freien Demokraten haben sowieso gewonnen. Endlich dürfen sie wieder mitspielen. Die Grünen? Die gewinnen eh immer – auch bei Verlusten. Wenngleich sie diesmal 0,5 Prozent zulegen konnten. Tja, und das war es dann. Linke und rechte Extremisten wollen wir hier nicht weiter nennen. Schlimm genug, dass mehr als jeder Fünfte den Radikalen eine Stimme schenkt.

Und die politische Reaktion? Die Union tut immer noch so, als habe sie alles richtig gemacht. „Weiter so, wir schaffen das!“ Nein, liebe CDU, das schafft ihr nicht. Denn mit Eurer Art alles auszusitzen und mit breiten Hinterteilen plattzuwalzen, mit einer planlosen Flüchtlingspolitik und Dauer-Stillstand habt ihr über acht Prozent der Wähler verloren. Und dazu die entwaffnende Erkenntnis: „Wir müssen uns wieder mehr um die Anliegen der Menschen kümmern!“ Oh ja, das stimmt. Aber wieso kommt diese Erkenntnis jetzt? Das ist der Job von Euch Politikern sowieso! Und für die CDU/CSU schon seit 12 Jahren! Wollt Ihr jetzt langsam mal anfangen? Toll! Wir sind gespannt.

Und die SPD? Die versteckt sich hinter ihrem Scheinargument Opposition machen zu müssen im Schmollwinkel. Mal tut sie eben so, als sei es ihre staatsmännische Pflicht, weil sie ja vom Wähler so böse abgestraft worden ist. Und mal tut sie so, weil sie den Extremisten nicht allein die Rolle der Opposition überlassen will. Liebe SPD – wie wäre es mal mit der Wahrheit? Es ist die nackte Angst, in einer Neuauflage der GroKo von der Union „erdrückt“ zu werden und zur Splitterpartei zu verkommen. Denn hätte es – trotz heftigster Verluste – zu einem Rot-Rot-Grünen Bündnis gereicht, dann wäre die SPD die erste gewesen, die aus den Verlusten keinen Auftrag für die Opposition herausgelesen hätte, sondern im Gegenteil – einen Regierungsauftrag. Und ihr wäre auch die eine Hälfte der Extremisten im Deutschen Bundestag völlig schnuppe gewesen, solange sie als Mehrheitsbeschaffer gedient hätte. Allen voran „Looser-Martin“, der dann ein anderes Lied gesungen hätte.

Doch nun stehen die Zeichen auf Jamaika. Union, Freie Demokraten und Grüne – was für eine Mischung! Fast wie ein Cocktail aus Dosenbier mit Tütenwein und selbstgepressten Möhrensaft. Wie soll das schmecken?

Aber wenn jeder der genannten seine Kompetenzen – und die gibt es – einbringt, und sich die Koalitionäre nicht in die Zuständigkeiten des anderen einmischen, dann könnte sogar das Thema Bildung durch die eine Partei, das Thema Digitalisierung durch die nächste und innere Sicherheit durch die dritte Partei vorangebracht werden.

Unerledigte Hausaufgaben gibt es genug. Das wurde ja schon nach der Wahl deutlich, als alle sagten, was nun endlich mal gemacht werden müsse. Na, dann macht mal, wir Bürger dürfen gespannt sein, ob etwas für unser Wohl dabei herauskommt. Denn dafür seid ihr da und gewählt – und nur dafür!

Herzlich

Ihr

Jens Eichler

Chefredakteur

 

Zitat des Monats:
„Politiker werden nach ihrer Standfestigkeit beurteilt. Leider beharren Sie deshalb auf ihren Irrtümern …!“

… sagte einst Oscar Wilde (1854 – 1900), der berühmte irische Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor. Wie recht er mit diesem Zitat hat, ist auch heute noch sehr deutlich erkennbar.

 

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