Nach der Wahl ist vor der Wahl: Vielleicht erst bei der nächsten Legislaturperiode …?

Wenn Sie diese neue Ausgabe von „Hamburg im Blick“ in den Händen halten, dann ist die Bundestagswahl 2017 schon entschieden. Denn unser Redaktionsschluss ist vor dem Wahltermin – leider. Leider deshalb, weil es im Nachgang sicherlich viel zu „kommentieren“ gäbe. Aber vielleicht wird das alles gar nicht so neu, wie manche vermuten? Gibt’s wieder eine Große Koalition? Wird es erstmalig ein Jamaika-Bündnis? Oder kommt gar doch ein Rot-Rot-Grüner Pakt zustande? Wird es mit Schwarz-Geld mittig-liberal? Egal, wie die Wahlentscheidung fällt, eines bleibt sicher: Auf Lösungen müssen wir wieder weitere vier Jahre warten.

Denn wer in dem zugegeben doch eher müden, von allen Seiten halbherzig geführten Wahlkampf genau hingehört hat, der wird keine neuen Themen, Schlagworte oder Herausforderungen gehört haben. Steuersenkungen? Ein Thema, welches bei jeder Wahl ventiliert wird. Lösungen? Marginal und kaum spürbar, wenn überhaupt. Die einen machen daraus eine Neid-Debatte, die anderen eine Mogelpackung.

Bildung? Zu Beginn jeder Legislaturperiode schreiben sich das die Parteien auf die Brust: Deutschland braucht mehr und vor allem bessere Bildung. Toll! Aber wenn es darum geht, sich Bildung anzueignen, dann ist es mit dem Thema schnell vorbei. Lernen ohne Mühe, Erfolg ohne Fleiß, Top-Verdienste für alle und das natürlich bei absoluter Chancengleichheit. Nonsens! Solange wir es in Deutschland nicht mal hinbekommen, dass ein Abitur aus Bayern und Bremen, aus Sachsen und Hamburg gleichwertig ist, solange brauchen wir doch über all diese zuvor genannten Schlagworte gar nicht weiter diskutieren.

Innere Sicherheit? Bloß nicht zu tief in die Diskussion einsteigen. Die einen wittern dabei einen permanenten Angriff auf die Privatsphäre eines jeden einzelnen. Die anderen möchten am liebsten an jeder Ecke einen Schutzmann und eine Kamera parat haben. Und komisch: Alle haben Sie die Stellen bei der Polizei abgebaut – ob rot, ob grün, ob schwarz oder gelb. Die Innere Sicherheit wurde quasi kaputtgespart. Und plötzlich haben sie alle aus wahltaktischen Gründen die Notwendigkeit von Beamten entdeckt. Na ja, und wer das Thema auch noch mit der Flüchtlingsdebatte kombiniert, der hat eh gleich verloren und wird ins rechte Abseits gestellt. Aber auch hier gilt: Echte Lösungen für die Millionen Menschen, die zu uns gekommen sind und noch immer weiter kommen, stehen nicht in Aussicht. Rechtes Geschrei, linke Träumerei und dazwischen eine gesäuselte „Wir-schaffen-das“-Parole ist sicherlich zu wenig. Echte Lösungen von Herausforderungen gehen anders.

Ach ja, und dann wäre da ja noch die Digitalisierung und Globalisierung. In Hamburg schnell mal unterwegs ins Internet kommen und eine flotte, gute Verbindung haben? Wer das schafft, der sollte umgehend einen Lottoschein ausfüllen – denn das riecht nach echten Glückssträhne. Wie gut, dass uns die Amis Starbucks über den großen Teich geschickt haben. Denn da flutscht es über das interne WLAN. Und auch am Jungfernstieg vorm Apple Store lässt es sich bestens surfen. Digitaler Ausbau sieht anders aus. Und bis es tatsächlich soweit ist, wird die Technik schon wieder viel weiter sein. Die sich parallel dazu forcierende Globalisierung trägt ihren Teil dazu bei. Aber wenn wir dann merken, dass wir in Sachen Ausbildung und Arbeitswelt vielleicht ein großes Stück des rasenden Zukunfts-Zugs verpasst haben, dann ist ja zum Glück wieder schon die nächste Bundestagswahl – mit den gleichen Themen

Ihr 

Jens Eichler

Chefredakteur

Zitat des Monats:
„Wer die Wahl hat, hat die Qual, und wer die Qual hat, hat verloren …!“
Da ist etwas Wahres dran. Jedenfalls fiel so das Resümee zur Bundestagswahl 1980 vom bayerischen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten der CDU/CSU Franz Josef Strauss aus, nachdem er die Wahl zwar gewonnen, aber nicht Kanzler wurde, da er die FDP nicht als Koalitionspartner gewinnen konnte. 

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