Rücksicht geht nur beidseitig!

Buhmann Nummer 1 in Hamburg: Der Autofahrer und sein Gefährt:

Hamburger Autofahrer müssen derzeit ein wirklich dickes Fell und viel Geduld haben. Da ist nicht nur die im wahrsten Sinne des Wortes „schmutzige Diskussion“ um den Diesel-Skandal. Nein, beinahe täglich spüren die Autofahrer in der Hansestadt, wie der Senat ihnen das Leben schwer macht.

Dabei läuft alles unter dem Decknamen „Umwelt und Sicherheit“. Edle Ziele, keine Frage, und notwendige dazu. Aber …

l Im nahezu wilden Aktionismus werden gerade die Verkehrswege für die Radfahrer der Stadt ausgebaut, vieles nach ihrem Gusto konstruiert, Straßen zu  großen Radwegen wie am Alster-
ufer umgestaltet oder Fahrbahnen verengt. Bestes Beispiel: Rugenfeld Richtung Rugenbarg in Osdorf. Wo der Verkehr einst floss, ist jetzt Stau und Stehen angesagt. Das Ärgerlichste:
Man sitzt im Stau, schaut aus dem Fenster und sieht so gut wie keine Radfahrer. Wundern und Kopfschütteln erlaubt.

l Aktuelle Idee aus dem Hause Scholz, Kerstan & Co – wichtige Hauptverkehsstraßen regelrecht lahm legen, indem Tempo-30-Zonen eingerichtet werden sollen. Wahnsinn – die Max-Brauer-Allee, Vogt-Wells-Straße oder Schäferkampsallee im Schneckentempo entlangfahren, und das, wo doch dort ohnehin kaum ein Durchkommen besteht. Ein Hoch auf das Wohlbefinden der Radler – die Dummen sind mal wieder die Autofahrer.

l Kennen Sie das auch? Ob Elbchaussee oder Habichtstraße, ob Saseler Damm oder Eiffestraße – vor Ihnen strampelt wie wild ein „sich auf der Tour de France fühlender Radfahrer“. Überholen? Oftmals schier unmöglich. Also tuckert man hinter dem Radler her. Die Blechlawine hinter einem wächst und wächst indessen. Besonders ärgerlich: Oftmals ist ein Radweg vorhanden, der aber unbenutzt bleibt. Egal, Hauptsache die „Feierabend-Radrennprofis“ haben ihren Spaß. Noch ärgerlicher: Sie konnten endlich überholen. Dann passiert’s: Rote Ampel! Die Quintessenz: Der eben überholte Radfahrer drückt und quetscht sich an allen wartenden Autos vorbei – pfeift dabei oftmals auf Rückspiegel und die eigene Sicherheit – und das nervtötende Spiel geht von vorne los.
Da ist sie wieder: die einseitige Toleranz. Diese wird von Autofahrern stimmgewaltig aus der Politik und vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) gefordert. Gerne – aber bitte beidseitig. „Radfahr-Rambos“, und davon gibt es jede Menge, müssen ebenso zur Vernunft gebracht werden. Denn Rücksicht geht beidseitig. Idee: Künftig sollten auch Fahrräder Nummernschilder tragen, damit Sie bei entsprechenden Regelverstößen belangt werden können. Und sei es nur, um sie vor sich selbst und zu „wilden Artgenossen“ zu schützen.

l 20 Millionen Euro spülten Falschparker im letzten Jahr in die Hamburger Staatskasse. Zum Dank wurden freie Parkmöglichkeiten noch weiter reduziert und gebührenpflichtige Parkplätze immer weiter verteuert. Parken in einem Parkhaus in der City? Da hat man am Ende das Gefühl, den ganzen Parkplatz gleich gekauft zu haben, so teuer ist das Vergnügen, wenn gezahlt werden muss. Darüber hinaus sind die Parkplätze oft noch so schmal, dass Beulen durch geöffnete Türen beinahe unvermeidlich sind.

l „Fahren Sie mit Bus oder Bahn!“, heißt es von öffentlicher Seite. Denn insgeheim wissen wir alle: Auch die größten Gefälligkeiten für Radfahrer sind eigentlich versteckte Erziehungsmaßnahmen für Autofahrer, die so und durch die anderen zweifelhaften Maßnahmen umerzogen, genötigt und gezwungen werden sollen, eben in die Bahn oder in den Bus zu steigen. Macht ja auch Sinn, wenn … ja wenn es sauber, sicher und reibungslos funktionieren würde. S- und U-Bahn-Fahrten sind nahezu angsteinflößend. Außerdem: Mal fahren sie, dann wieder nicht pünktlich, dann nur die halbe Strecke, dann mit Bus-Pendelverkehr. Ankunft? Ungewiss! Sicherheit? Eine Fahrt in die City
über St. Pauli oder Königstraße, über Elbgaustraße oder Schlump, Billstedt oder Berliner Tor ist ein Abenteuer mit Überlebenstrainingseffekt. Für ältere oder gar alte Leute mehr als eine Zumutung, für viele Frauen ebenso und der sogenannte „Otto-Normal-Bürger“ wird sich schnell in seinem eigenen Auto wohler fühlen und sich sagen: „Dann lieber Stau, aber sicher unterwegs sein!“

Liebe Verantwortliche, wie wäre es einmal mit einer sinnvollen Idee, die alle mit ins Boot holt? Hätte doch was, oder? Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie gut und gesund durch den September kommen.

Ihr 

Jens Eichler

Chefredakteur

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